Chronik

Die Steinhilber Fasnet ist voraussichtlich mehrere hundert Jahre alt. Dies lässt vermuten, da Steinhilben und Trochtelfingen immer schon den geleichen Ratsherren und Herrschaftshäusern und somit der gleichen Konfession angehörten. Die älteste schriftliche Erwähnung der Fasnet in Trochtelfingen stammt aus dem Jahr 1565 und deshalb ist davon auszugehen, dass auch in dieser Zeit in Steinhilben es erlaubt war Fasnet zu feiern.

Der erste, bis jetzt bekannte bildliche Nachweis stammt aus dem Jahr 1903. Damals machten die örtlichen Vereine unter der Anführung des Hanswurstels ein Fasnetsprogramm, dass sich zum größten Teil auf der Straße und um ein eigens dafür jährlich aufgebautes Fasnetshäusle abspielte, welches auf diesem Bild zu sehen ist. Ein Fasnetsplakat aus dem Jahr 1907 gibt uns eine Beschreibung des damaligen Fasnetsprogrammes. So wird u. a. darauf zum Umzug eingeladen. Die detaillierte, närrische Beschreibung des Umzugweges ist in dieser Form wohl einmalig. Hier ein kleines Beispiel aus dem Plakattext:

„Nachmittags 1.59 Minuten bewegt sich der Zug von der historischen Ecke des Hasenwinkels durchs Demokratengäßchen ins Baronenviertel zum Jungfernsee, von dort aus am meteorologischen Institut Feld 2, Goldfischerei und Entbindungsanstalt vorbei zur Hauptwache. Von da Überblick auf die Prachtvolle Fürstenhöhe“ 

In diesem Stil geht die Beschreibung weiter und ein unwissender Leser hat den Eindruck gewonnen, es handelt sich um einen Umzug in einer Großstadt und nicht einem 636 Einwohner zählendem Dorf. Die Einheimischen wussten natürlich alle was gemeint war und warum die verschiedenen Punkte des Umzugweges genau tituliert wurden.

Mit „Abendstückla“ (Sketchen) von den „Ledigen“ und den närrischen frechen Sprüchen des Hanswurschtels, die so manchem Steinhilbener unter den Hut gingen, wurde das Fasnetsprogramm bis zum Beginn des 2. Weltkrieges gestaltet. Nach dem Kriegfand 1947 wieder die erste Fasnet statt, welche vom damaligen "Narrenvadder" Matthäus Betz organisiert wurde. Zu dieser Zeit musste der Most noch mit ins Wirtshaus gebracht werden, weil Bier und Wein Mangelware waren. Da sich die Steinhilber Fasnet in den weiteren Jahren vergrößerte, wurden die Aufgaben des „Narrenvadders“ vom Narrenkomitee übernommen, dessen Nachfolger sich dann Elferrat nannte.

1965 erlebte die Steinhilber Fasnet wieder einen Aufschwung. Ein sogenannter Bürgerball wurde ins Leben gerufen, welcher die Aufführungen aus der Vorkriegszeit (Fasnetshäusle) nicht nur ersetzte, sondern auch erweiterte. Dieser Bürgerball ist zwischenzeitlich einer der Hauptbestandteile der Hausfasnet.

1976 fertigten Frauen der Zunft eine Vereinsfahne an, die auf einer Seite das Gemeindewappen und auf der anderen den Hanswurschtel darstellt.

1977 wurde dann die Narrenzunft Steinhilben unter Zunftmeister Heribert Locher gegründet und 1978 ins Vereinsregister eingetragen.

Aus dem Elferrat wurde der Zunftrat.

In den Jahren seit der Vereinsgründung ist in unserem Dorf einiges geschehen, somit haben sich die Veranstaltungen dem Leben im Ort und dem „neuen Zeitgeist“ angepasst. So beginnt die Hausfasnet immer am Freitag vor dem „schmutzigen Donnerstag“ mit dem Weiberball, wo sich die Frauen im Gasthaus Lamm treffen und zur Gestaltung des Abends Sketche aufführen und Vorträge darbieten. Auch wird an diesem Abend das "Mäschgerla" nach alter Tradition wieder belebt. So kommen die Männer der Frauen am späten Abend bis zur Unkenntlichkeit verkleidet auf den Weiberball und geben sich erst nach Zwölf zu erkennen wer unter dem Hässteckt. Am Fasnetsmontag wird mit großem Lärm die Ortschaft durch die Jungnarren geweckt. Danach trifft sich alles beim Schul– und Rathaus zur Narrenspeisung, wo jeder Bürger ein Vesper (heiße Rote aus dem Sudkessel) bekommt. Parallel dazu wird der Narrenbaum versteigert. Auch heute noch wird der Fasnetsumzug traditionsgemäß am Dienstag durchgeführt. Neu hinzugekommene Aktivitäten bei der Hausfasnet sind die Schülerbefreiung, der KeenContest und das große Spektakel um die Fasnetsverbrennung am Dienstag.

Nichts desto trotz wird immer darauf geachtet, dass die Narrenzunft die Fasnet in der Tradition unsere Vorfahren weiter trägt und so das heimische Brauchtum pflegt und bewahrt. Hier die Veranstaltungen der Fasnet 2016, wie sie heute in Steinhilben durchgeführt wird:

Hausfasnet 2016:

Freitag 29.01.16

Weiberball im Lamm, Beginn 20:00 Uhr

Schmotziger Donnerstag 04.02.16

Morgens: Befreiung der Schule, der Ortschaftsverwaltung und des Kindergartens,  Beginn 9:30 Uhr

Abends: Narrenbaumstellen mit närrischem rund ums Fasnetshäusle, Beginn 19.00 Uhr anschließend Musikantenball im Lamm

Fasnetsfreitag 05.02.16:

Bürgerball mit Vorträgen über das Dorfgeschehen, Sketchen und Tänzen [erste Aufführungstag], Beginn 19.30 Uhr

Fasnetssamstag 06.03.16

Bürgerball mit Vorträgen über das Dorfgeschehen, Sketchen und Tänzen [zweite Aufführungstag], Beginn 19.30 Uhr

Fasnetssonntag 07.02.16

Keen-Contest [Tanzwettbewerb mit Garden- und Männershowtänzen] Beginn 20.00 Uhr

Rosenmontag 08.02.16

Morgens: Fasnetswecken durch die Jungnarren, Beginn 6.00 Uhr

Narrenbaumversteigerung und Narrenspeisung, Beginn 10.00 Uhr

Mittags: Kinderbürgerball mit Vorträgen über das Dorfgeschehen, Sketschen und Tänzen, vorgetragen durch den „Narrensomen“, Beginn 14.00 Uhr

Abends: Unterhaltung mit Alleinunterhalter, Einlagen und Vorträgen unsere Steinhilber Narren, Beginn 20.00 Uhr

Fasnetsdienstag 09.02.16

Mittags: Traditioneller Fasnetsumzug durch die Gassen und Straßen in Steinhilben, Beginn 13.30 Uhr

Abends: Fasnetsverbrennung und Geldsäckelwäsche am Hülbenplatz, Beginn 20.00 Uhr,

Anschließen Ausklang bis 0:00 Uhr in allen Lokalitäten

 

Hier nun die Eckdaten der Narrenzunft:

Seit 1977 gilt auch der bekannte Fasnetsruf „Schlippr, Schlappr, - Hülaschlappr“. In Anlehnung daran wurde 1978 die erste Maskengruppe, die „Hülaschlappr“ gegründet.

1981 beschaffte die Narrenzunft für die Zunfträte ein neues Häs, welches in Anlehnung an das Festhäs unserer Vorfahren geschneidert wurde. Immer mehr wollten nun bei der Fasnet mitwirken und so wurden Überlegungen angestellt, welche Ereignisse aus der dörflichen Vergangenheit sich am besten durch eine Maske mit Häs ausdrücken lassen. Daraus entstand 1983 die Gruppe der „Küchlesnarren“ und 1985 die Gruppe der „Schwarzhülahutzla“. 1983 wurde ein Antrag auf Aufnahme in den „Ring der freien oberschwäbischen Narrenzünfte“ gestellt. Dieser Antrag wurde wegen eines damals bestehenden Aufnahmestops jedoch zurückgestellt. Man wurde als sogenannte „Gastzunft“ im Ring aufgenommen. 1987 konnte man dann doch die ordentliche Aufnahme erreichen, was nicht zuletzt auf die Orginalität der Steinhilber Fasnet, insbesondere auch ihrer Maskendarstellungen zurückzuführen war. Im gleichen Jahr wurde auch ein Freundschaftstreffen befreundeter Zünfte in Steinhilben mit großem Erfolg durchgeführt, was bis dahin die größte Fasnetsveranstaltung am Ort war. Erwähnenswert ist auch der Besuch der Zunft 1988 in den USA. Organisiert durch „Schwaben International“ besuchte man die Staaten Iowa, Minnesota, Wisconsin und Illinois. Das Mitwirken beim „Heritage-Fest“ in New Ulm (Minnesota) wurde für alle Beteiligten zu einem unvergesslichen Erlebnis. 1989 konnte man eine eigene Zunftstube im Untergeschoß des Schul- und Rathauses einweihen. Aus der ursprünglichen Kinderfasnet am Rosenmontag entstand 1989 der erste „Kinderbürgerball“, der sich im Lauf der Jahre zu einer ansprechenden und gut besuchten Veranstaltung entwickelte.

1990 wurde die „Schalmeienkapelle“ gegründet, welche durch ihre musikalischen Einlagen eine zusätzliche Bereicherung für die Narrenzunft ist. Witterungsbedingt ausfallen musste 1990 die Straßenfasnet und 1991 sogar die ganze Veranstaltung wegen des Golfkrieges.

1992 wurde vor der eigentlichen Hausfasnet ein Doppeljubiläum mit einem großen Narrentreffen begangen. Man feierte 85 Jahre Steinhilber Fasnet und gleichzeitig das 15-jährige Bestehen der Narrenzunft Steinhilben e.V.. Im Sommer 1997 ging ein langersehnter Wunsch der Steinhilber Verein in Erfüllung. Der ehemalige Farrenstall wurde durch Zuschüsse und viel Eigenleistung zu einem Vereinshaus umgebaut. Jeder beteiligte Verein (Narrenzunft, Musikverein, Männergesangverein u. Albverein) erhält einen eigenen Raum. Ein weiterer Höhepunkt der Steinhilber Fasnet war das Ringtreffen („zum Ersten“) der „Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte“, das am 18. und 19. Januar 1997 stattfand. Am 12. und 13. Februar 2011 lud die Narrenzunft zum zweiten Mal zum Ringtreffen der „Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte“ ein, dass wiederum ein erneuter Höhepunkt und ein Erfolg in der Steinhilber Fasnet war.

111 Jahre Steinhilber Fasnet feierte die Narrenzunft 2014 mit einem Jubiläumsball und einem großen traditionellen Fasnetsdienstagumzug, an dem über 70 Gruppen und befreundete Zünfte teilnahmen.